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V e r e i n   A l t e r  F r i e d h o f  - H i s t o r i s c h e r  B ü r g e r p a r k  e.  V.  -   B a d   N a u h e i m

Der Vorsitzende:   Martin Fink  - Rittershausstr. 12  -   06032 3061813  -  mar-fink@web.de 

Fünfzehn Jahre lang eine starke Initiative gegen die Kerb auf dem Alten Friedehof

 

Liebe  Mitglieder  und Freunde, liebe Anwohner!

Viele werden sich noch erinnern, wie nach Jahren der Verödung des Alten Friedhofes die Stadt 1999 das Gelände herrichten ließ, die Zeit der nahenden Kerb aber nicht ausreichte, um die Neuanlage sich absetzen zu lassen. Die Fahrgeschäfte versanken im Erdreich und ließen eine Schlammwüste zurück.  Als Reaktion entstand die Initiative „Alter Friedhof“. Ich wandte mich als ihr Sprecher damals zunächst an die Anwohner, um für eine starke Bürgerinitiative gegen die Kerb auf dem Alten Friedhof zu werben. Einige von ihnen engagieren sich bis heute, ab 2008 in der Nachfolge-Initiative, dem oben genannten Verein.  Schon damals  kam mir  viel Sympathie für das Anliegen entgegen.

Also genug Grund, um mich neben den Mitgliedern und Freunden des Alten Friedhofes  auch wieder an die Anwohner der einmaligen innerstädtischen Grünanlage und Erinnerungsstätte zu wenden.

Wenn ich von den Begriffen „Grünanlage“ und „Erinnerungsstätte“ spreche, dann sind sie jeweils ein „Dokument“ dessen, was mich bewegt:  Der Erhalt und die Verschönerung  der gesamten Grünanlage und das Erinnern an die über 4300 im 19. Jahrhundert dort Bestatteten, auf deren Schultern der Entwicklungsumbruch vom Söderdorf  Nauheim  zur Stadt Bad Nauheim lastet.  Vielen Bürgern lag anfangs vor allem die Pflege der Grünanlage am Herzen, doch mit dem Setzen der Stelen 2008 und der damit begonnenen geschichtlichen Sichtbarmachung der Stadtentwicklung wuchs das  Interesse an dieser für unsere Stadt so wichtigen Epoche. Damit hat die Fläche in ihrer Gesamtheit, nicht nur in Teilen (Kriegerdenkmal 1870/71), eine andere Qualität erhalten. Nun ist es an der Zeit, dem veränderten Bewusstsein Rechnung zu tragen und der gesamten Grünanlage den erweiterten Schutz zukommen zu lassen (siehe auch WZ „Ziel: Denkmalschutz für Alten Friedhof“, 16.10.2014).

Unter dem Eindruck der unbedachten aber auch witterungsbedingt zwangsläufigen Verwüstung  1999 flammte abermals die Diskussion auf, ob der Alte Friedhof der richtige Ort für die Kerb sein kann. Aber aus dem Debakel wurden die falschen Lehren gezogen: Die Stadtverordneten beschlossen Ende Januar 2000 mehrheitlich, den Alten Friedhof als Kerbstandort zuzulassen. Damit schien aufzugehen, was 1953 schon mal und sehr konkret angedacht  und in der Folge immer wieder versucht worden war, den ehemaligen Friedhof per Abgeordnetenbeschluss  zum Kerbstandort zu machen. - Die Bad Nauheimer Kerb war und blieb eine Platz-Kerb. Ab 1951 erfolgte ihre Ausdehnung in die umliegenden  Straßen. Doch das reichte nicht. Die Suche nach einem anderen Kerbplatz ging weiter: 1949 noch Marktplatzkerb; Überlegungen zur Verlegung auf den Platz „Am Gaswerk“ - nahe Mütter – und Familienzentrum; 1953 Alter Friedhof; 1954 bis 1981 große Bleiche/Rießstraße; 1982 erforderliche Verlagerungen, die sich aus der Neugestaltung des Marktplatzes ergeben, sollen in Richtung Burgpforte, Burgstr. und Burgplatz erfolgen; 1984 bedingt durch Neugestaltung des Marktplatzes und Wegfall der Nach-Kerb Verlagerung des Autoskooters und einiger anderer Fahrgeschäfte auf den Alten Friedhof.

 1984 heißt es noch lt. Kirchweihkommission: Die Bad Nauheimer Kirchweih soll solange auf der Grünanlage Alter Friedhof abgehalten werden, bis der Umbau des Marktplatzes abgeschlossen ist. 1988 nach Umbau des Marktplatzes: Die Schausteller, die bisher auf dem Alten Friedhof standen, sollen wieder einen Standplatzvertrag erhalten. Auf  dem Marktplatz werden … andere zugelassen. 1996 einstimmiger Beschluss, den Standort „Alter Friedhof“ beizubehalten. 1997 abermals Diskussion (Bürgerversammlung) zur Verlegung der Kerb auf die Bleiche:  Der Kerbplatz Alter Friedhof soll, so die Mehrheitsmeinung, auch der Ort der Kirchweihe bleiben (WZ 22.01.1997).

 Weil man in der Grünanlage „ Alter Friedhof“  immer eine  Option  zum Ausweichen hatte, sah man keine Notwendigkeit, sich ernsthaft nach einer Platzalternative umzuschauen.

Um keinen Zweifel an der Authentizität der im 19. Jahrhundert dort Bestatteten zu lassen, wurden 2007 unter Federführung von Dr. Thomas Schwab chronologisch ab 1802 alle Namen, 4300 an der Zahl – darunter etwa 2000 Kinder, mit Familienzugehörigkeit, Alter und Sterbetag erfasst (siehe auch www.alterfriedhof-badnauheim.de) und dem damaligen Bürgermeister Bernd Witzel überreicht. Es kam zu einem Treffen, bei dem der Förderverein seine Pläne zur Umgestaltung mit in die Waagschale werden konnte. Es soll, so Witzel,  der an der Wilhelmskirche gelegene ältere Teil des einstigen Friedhofs zu einem Freilandmuseum der Stadtentwicklung vom Söderdorf zum Herzheilbad werden. Und weiter: „An fünf Tagen im Jahr werden sich … ‚zwei völlig gegensätzliche Betreiber‘  auf dem Alten Friedhof gegenüberstehen:  Die Kerbveranstalter und der Förderverein mit seinem Freilichtmuseum. Es sei nur noch eine Frage der Zeit, bis der Beschluss zum Kerbstandort aufgehoben werde, meint Witzel“ (FR 28.03.08).

Die weitere Entwicklung macht deutlich:  Es sind immer mehr Bürger der Stadt und Gäste, die das jährliche Fünf-Tage-Spektakel auf dem Alten Friedhof als Zumutung empfinden  -  für die noch lebenden Angehörigen der dort Bestatteten ebenso wie für Gäste (worauf ich während der letzten Kerb selbst von einem Paar aus den Niederlanden angesprochen wurde), die fassungslos vor der Hinweistafel der dort zahlreich bestatteten Kinder standen, während auf dem anderen Teil des Geländes vorwiegend Kindern Kerbangebote gemacht wurden. Nicht zu vergessen: Auch die Schule ist unser Nachbar!  Es passt nicht zusammen, wenn die Stadt  auf ein und demselben Gelände Klamauk und Impulse der Nachdenklichkeit zulässt. Mögen sich manche Bad Nauheimer nichts dabei denken, weil sie es nicht anders kennen (das Gelände war bis Mitte der 80-er Jahre des vorigen Jahrhunderts Kinderspiel- und Tummelplatz verschiedenster Art), schädlich für das Image der Stadt ist der Rummel auf einem alten Friedhof allemal.

Der Förderverein will prüfen lassen, ob die Attraktivität der Kerb vor allem für die zahlreich jüngeren Familien auf der Grünfläche „Am Goldstein“ nicht besser gewährleistet werden kann. Seit der Landesgartenschau ist diese Anlage von den Zufahrten her, von der Hydranten- und Stromversorgung sowie  Straßenstruktur im Gelände weitestgehend zur Nutzung als mögliche Festplatzanlage erschlossen. Zudem ist sie zentral gelegen und von allen Seiten der Stadt  gut und schnell erreichbar. Unmittelbare Anwohner wie in der Innenstadt gibt es auf dem Gelände nicht.

 Bürger und Förderverein, die sich in vielfältiger Weise der Anlage – und dem, was auf ihr entstanden ist - verpflichtet fühlen, machen sich für eine ungeteilte, weiter zu entwickelnde Parkanlage stark, die den (nachfolgenden) Generationen als gepflegte einmalige Natur- und Kulturanlage eindeutige Impulse vermitteln will.

Bitte unterstützen Sie mich und den Verein dabei!

Bad Nauheim Juli 2015

gez.:  Martin Fink