Johann Heinrich Schimpf mit seiner 2. Ehefrau Henriette geb. Böttner. Das Foto stammt aus dem Jahr 1861
Johann Heinrich Schimpf mit seiner 2. Ehefrau Henriette geb. Böttner. Das Foto stammt aus dem Jahr 1861

Johann Heinrich Schimpf (1799-1861)

 

 

Wagner, Ackermann und Kirchenrechner

 

verheiratet in 2. Ehe mit:

 

Auguste Henriette Sophie Schimpf geb. Böttner

1805-1877

 



Sterbeeintrag:

1861/Nr. 56. Johann Heinrich Schimpf, Ackermann, verheiratet mit Auguste Sophie, geborene Böttner (2. Ehefrau), geboren in Nauheim am 27. Oktober 1799, gestorben am 24. Oktober 1861, begraben am 26. Oktober – alt 61 Jahre, 11 Monate, 27 Tage – Hauptstraße 265.

 

Sterbeeintrag:

1877/Nr.17. Auguste Henriette Sophie Schimpf, Witwe von Wagner und Ackermann Johann Heinrich Schimpf, (2. Ehefrau), geborene Böttner, geboren in Nauheim am 29. November 1805, gestorben am 18. Mai 1877, begraben am 20. Mai – alt 71 Jahre, 5 Monate, 18 Tage – Hauptstraße 16.



Spuren der Familie Schimpf in Bad Nauheim

zusammengestellt von Brigitte Faatz

 

Wie so oft waren es wohl die Arbeits- und Verdienstmöglichkeiten an der hiesigen Saline die einst junge arbeitswillige Männer dazu führten sich in Nauheim niederzulassen. Nachweisen lässt sich spätestens mit der Geburt eines Sohnes, 1769 zunächst ein Christian Schimpf, mit seiner Ehefrau, der den Beruf eines Sodenmeisters ausübte. Vermutlich folgten ihm noch zwei weitere männliche Verwandte nach und gründeten damit die zeitweise hier ansässigen Zweige der Familie. Ursprünglich stammen die „Schimpf“ aus Hohensolms im Lahn-Dill-Kreis und gehen dort auf einen Ahnherrn mit dem Vornamen Jacob zurück.

Jener in Nauheim geborene Bernhard Schimpf (1769-1840) seines Zeichens ebenfalls Sodenmeister heiratete in die Familie von Juliane Salzmann ein. Aus dieser Ehe entstammten nachweisbar fünf Kinder. Während 2 Töchter im Kindesalter starben, traten die Söhne Martin und Bernhard (jr.) in die Fußstapfen des Vaters und wurde ebenfalls an der Saline tätig. Deren Bruder Johann Heinrich (1799-1861) verdiente seinen Lebensunterhalt als Kirchenrechner, Wagner und Ackermann.

Johann Heinrich heiratete in erster Ehe Elisabethe, geb. Reißer. Aus dieser Ehe stammten die beiden Söhne Jacob (geb.1829) und Bernhard (geb.1833) sowie die Tochter Eleonore (geb.1838). Schon 1842 stirbt die junge Ehefrau und Mutter im Alter von 37 Jahren.

 

Der Witwer heiratet ein Jahr später in zweiter Ehe Auguste Henriette Sophie (1805-1877) geb. Böttner. Eine aus dieser Ehe stammende Tochter stirbt ebenso wie ihre ältere Stiefschwester Eleonore im Jahr 1845.


Fast alles spielte sich in der „Untergasse“ ab

Ansässig waren die Schimpfschen Familienzweige nach den Vermerken in den Sterberegistern unter anderem in der „Fahr und Friedrichstraße 369 (neu), „Ecke der Kirchgasse 37“, vor allem aber in der „Untergasse“, was der heutigen (unteren) Hauptstraße entspricht. Mehrere große Bauernhöfe bildeten damals den Kern der sehr landwirtschaftlich geprägten Dorfstraße, dazwischen die bescheidenen Häuschen und Wohnungen der Söder und Salinenhandwerker. Begrenzt wurde das ganze östlich durch Ringmauer und Untertor, das sich in Höhe der heutigen Alicestraße befand. Durch diese Pforte (auch Södertor genannt) war es nicht weit zur Sud-Saline, die in südlicher Richtung der verlängerten Kurstraße lag und bis dahin auf einem Feldweg durch unbebautes Gelände führte. 

 

Es war Henriette Schimpfs Bruder, Obergradierer Böttner, der 1841 zusammen mit dem Briefträger Klinkerfuß das erste Haus außerhalb der Ringmauer errichten ließ. Ein Ereignis, dass die Nauheimer in Scharen zu dem Neubau führte um ihn zu bewundern. Das Doppelhaus sollte ausschließlich zur Aufnahme von Badegästen dienen. 

 

 

 

 

Nauheims erstes Logierhaus für Badegäste, erbaut 1861 in der unteren Hauptstraße


Damit befreite sich Nauheim langsam aus den beengten dörflichen Verhältnissen und strebte dem neuen Kurgebiet zu, das sich auf dem Gelände der heutigen Dankeskirche befand. Schon bald gehörte auch Dr. Friedrich Bode zu den Bauwilligen. Der erste praktische Arzt Nauheims ließ sich 1843/1844 in seinem gediegenen Wohnhaus mit Praxis nieder. (heute Hauptstraße 3). Auf Bodes Betreiben folgte schon bald auf der gegenüberliegenden Seite das erste Apothekenhaus (heute Hauptstraße 4). Auch ein Zweig der Familie Schimpf siedelte sich in dem neuen Straßenabschnitt an. Der Landwirt Johannes Schimpf II. (1835-1886) ließ sich das Eckhaus an Karl- und Hauptstraße (heute Hauptstraße 9) erbauen. 

 

Statt Saline lieber Kontor und Spielbank

 

Schon die nächste Generation der Familie zog anderen Nutzen aus dem segensreichen Hervortreten der Badesprudel, als sich in der Landwirtschaft oder auf der Saline für schwere handwerkliche Arbeit zu verdingen. Sie wurden Händler oder Kaufleute, sogar ein langjähriges Mitglied im Gemeinderat ging daraus hervor.   

 

 

 

 

 

 

 

 

Jacob Schimpf, (1829 - um 1872)

 

Croupier an der Nauheimer Spielbank


Heinrich´s Sohn Jacob Schimpf (1829 – um 1872) ging zunächst in eine Kaufmannslehre. Als er sich Jahre später aus Nauheim abmeldet, gibt er als Beruf „Employé Casino“ an. Er verdiente also sein profitables Auskommen als Croupier an der Nauheimer Spielbank. Von ihm sind zwei Fotos erhalten, jeweils datiert auf den 4. November 1861. Wir sehen ihn in feinem Gewand im Alter von 32 Jahren. Beide Aufnahmen verschenkt er mit Widmung an „Tante und Onkel“ und an „meinen lieben Bruder Bernhard“. Auch das Bild von Vater und Stiefmutter beschriftet er sorgsam in einer gefälligen Handschrift und mit dem Hinweis „aufgenommen Anfang Juli 1861“. Daneben prangt der Stempel eines Photographen namens J. Kolb. Die vergilbte Aufnahme des älteren Ehepaares zeigt beide im besten Sonntagsstaat und mit ernsten Gesichtern. Heinrich hat sich bei seiner Frau Henriette untergehakt, was dem Bild etwas seltsam Berührendes gibt.

Rätsel um ein Foto

 

Was könnte der Anlass gewesen sein, dass einfache Nauheimer Bürger sich dieser neumodischen Erfindung auslieferten, die noch dazu Geld kostete? Ein Blick in die Kur- und Badliste vom 7. Juli 1861 bringt etwas Licht ins Dunkel. Die hier abgebildete zweisprachige Annonce des Photographen Kolb, teilt dem Nauheimer Kurpublikum dessen zeitweilige Anwesenheit mit. Wohnung hat er bei Herrn Böttner, Henriette´Schimpfs, Bruder, im Logierhaus der Hauptstraße genommen.  

Annonce in der Bad Nauheimer Kur- und Badliste vom 7. Juli 1861

 

Das Photographengewerbe dürfte um diese Zeit nicht auf finanziellen Rosen gebettet gewesen sein. Was liegt da näher als die Familie des Logiergebers abzulichten um einen Teil der Mietkosten abzudecken. Wir werden es nie genau erfahren, aber so könnte es gewesen sein. Tatsache ist, dass sich dieses vergilbte Foto bis heute erhalten hat und ein seltenes Zeitdokument darstellt.

 

Jacob geht nach Wiesbaden

Noch im gleichen Jahr stirbt Heinrich Schimpf und Sohn Jacob scheint es danach auf Dauer nicht mehr in Nauheim zu halten. Nach Beendigung der Kursaison 1865 verlässt er seinen Geburtsort und geht nach Wiesbaden. Pflichtgemäß beantragt er die Ausstellung eines Heimatscheins, der ihm mit unbegrenzter Gültigkeitsdauer von der hiesigen Gemeindebehörde ausgestellt wird. Es ist anzunehmen, dass die dortige Spielbank ihn lockte. In den Folgejahren erscheint er in den Wiesbadener Adressbüchern allerdings als Kaufmann und Teilhaber der Firma „Seher & Schimpf“ Branntwein, Spirituosen- und Liqueurhandlung. Wie aus einem weiteren Adressbucheintrag ersichtlich wird, muss er um das Jahr 1872 verstorben sein, da nur noch seine Witwe, Bertha Schimpf, aufgeführt wird. Danach verliert sich auch ihre Spur. Ob es Nachkommen gab, bleibt unbekannt.  

 

Die Schimpf in Nauheim sterben aus

Die erschütternd hohe Zahl bei der Kindersterblichkeit machte auch bei den Schimpf-Familien nicht halt. Überfliegt man die Familieneinträge so will das Sterben kein Ende nehmen. Die damals grassierende Tuberkulose hatte daran auch einen wesentlichen Anteil. Hinzu kamen nur sehr eingeschränkte ärztliche Behandlungsmöglichkeiten, kaum Medikamente und fehlende Kenntnisse in der Gesundheitsfürsorge. 1896 stirbt hier mit dem 16jährigen Johann Georg Heinrich Schimpf, die Familie zumindest im Mannesstamm aus. Die ersten gedruckten Adressbücher der Stadt Bad Nauheim aus den Jahren 1899 und 1903 verzeichnen niemanden mehr unter diesem Namen.